Tipp: Alte Kamera-Mattscheibe auffrischen

An der Mattscheibe meiner 1920er Plattenkamera hatte es mich schon länger gestört, dass die Ausschnitt-Markierungen fürs Rollfilm­rückteil sehr fett aufgemalt und zu allem Über­fluss auch noch beschriftet waren. Und mithilfe dieser Anleitung zum Selbst­schleifen einer Mattscheibe war es ein Leichtes, die unerwünschten Spuren zu beseitigen, innerhalb weniger Minuten sah die Scheibe wieder aus wie neu. (Es war nicht meine erste Mattscheibe, für meine Basteleien brauche ich das gelegentlich mal. Sonst wäre es auch unökonomisch gewesen, ein Kilo Silicium­karbid zu kaufen; in kleineren Mengen konnte ich es leider nicht finden.)

Nützliche Flohmarktfunde: der Filmfix

Wer gern über Trödelmärkte stöbert, findet bei den Foto­utensilien hin und wieder kleine Helferlein, deren Sinn sich nicht immer auf Anhieb erschließt, die aber ausgesprochen nützlich sein können. Dazu gehört der Filmherauszieher Hama Filmfix:


Den benutze ich bei jeder Kleinbildfilm-Entwicklung. Denn wenn ich einen Film belichtet habe, spule ich ihn in der Kamera immer vollständig in die Patrone zurück – auf diese Weise ist sichergestellt, dass beim Wechseln keine Ver-Wechslung erfolgt. Allerdings ziehe ich vor der Entwicklung mit dem Filmfix den Filmanfang nochmals aus der Patrone heraus, um die Zunge bei Tageslicht rundschneiden zu können, dann lässt sich der Film im Dunkeln besser in die Tank-Spule einfädeln. (Es ist dennoch sinnvoll, den zugeschnittenen Filmanfang dann wieder in die Patrone einzuziehen und diese im Dunkeln mit dem Dosenöffner zu „knacken“ – denn wenn ich den kompletten Film ein zweites Mal durch die Lichtdichtung der Patrone ziehe, riskiere ich Kratzer auf den Negativen durch etwaigen Staub auf dem Dichtungsfilz.)
Und so benutzt man den Filmfix: (mehr …)

Ausflecken


Im Zuge meiner Vorbereitungen auf die Mainzer Minipressen­messe arbeite ich derzeit auch den einen oder anderen SW-Print aus. Und zum sorgfältigen Vergrößern gehört natürlich auch das Ausflecken der weißen Stellen, die Staub­krümelchen im optischen System hinterlassen haben – ein eher abseitiges Hobby, das ich bereits seit Studenten­tagen pflege. (Damals habe ich im Fotokursus die Spot­retusche auch für ein paar Kommi­litonen übernommen.)

Ausflecken auf konven­tionellem Fotopapier ist ziemlich einfach: Man braucht bloß einen extrem feinen Pinsel (idealerweise Kolinsky-Rotmarderhaar, z.B. in Stärke 00), etwas geeignete Farbe (dazu gleich) sowie buchstäblich Geduld und Spucke. Denn am einfachsten geht die Arbeit tatsächlich, wenn man den Pinsel auf der Zunge anfeuchtet, etwas Farbe aufnimmt und dann am Rand des Abzugs so lange abstreicht, bis der Ton zur Umgebung des Fussels passt, den man wegtupfen möchte. Dann eben einen Punkt setzen, noch einen (nicht strichweise malen!), und wenn es mal zu dunkel ist, dann gleich Pinsel in den Mund, anfeuchten, Farbe wieder wegnehmen.

Für die Farbe gibt es mehrere Möglich­keiten: Ich habe das Retuschieren damals mit Eiweiß­lasurfarbe gelernt, die man per Pipette tröpfchenweise auf z.B. eine Glasplatte gibt, von wo man sie dann mit dem Pinsel aufnimmt. Heute nehme ich trockene Retusche­farbe, „Peerless Dry Spot“, die ist dick auf Pappe aufge­pinselt und nimmt weniger Platz in der ohnehin über­füllten Werkstatt ein als mehrere Glas­fläschchen – denn man braucht mehrere Töne, wenn man unter­schiedliche Papiere verwendet, manche sind wärmer, manche kühler, manche gehen fast ins Sepia.

Dieser Print, den ich im Detailfoto oben ausgefleckt habe, ist z.B. auf papierstarkem Orwo BH1 entstanden, leicht warmtonig – und er war ursprüng­lich nur als Kontakt­kopier­vorlage für ein Cyanotypie-Negativ gedacht. Aber er gefiel mir so gut, dass ich ihn gleich noch einmal abgezogen, dabei etwas penibler abgewedelt / nachbelichtet und nach Fertigstellung dekorativ gerahmt habe.

Himmelfahrt 2019: h4ndw3rk in Mainz


Arbeiten wie meine, die auch von der Haptik der Materialien leben, möchten nicht nur im Internet, sondern vor allem „live“ präsentiert werden. Deshalb habe ich mich für dieses Jahr zum ersten Mal bei der Mainzer Minipressen-Messe als Aussteller angemeldet.
Dort werde ich handgesetzte und -gedruckte Typografie-Postkarten, Fotoradierungen und Cyanotypien zeigen und zum Verkauf anbieten, außerdem maritime Fotopostkarten sowie mehrere kleinformatige Fotobücher.

Ich freue mich über Ihren und euren Besuch – meine Standnummer ist die A06 – in der Mainzer Rheingoldhalle an folgenden Terminen:
Donnerstag, 30. Mai, Freitag, 31. Mai: jeweils 14 bis 19 Uhr
Samstag, 1. Juni: 10 bis 19 Uhr
Sonntag, 2. Juni: 10 bis 17:30 Uhr.

Der Eintritt zur Messe ist kostenlos. Hier ist der offizielle Flyer mit zusätzlichen Infos und Rahmenprogramm.
Insgesamt sind es weit über 200 Aussteller*innen, ein Besuch dürfte sich für jeden Geschmack lohnen.

Postkarte: Ⓒ Mainzer Minipressen-Messe

Dies ist ein Grauverlaufsfilter

Ja halloo!, ist das schon wieder eine meiner alternativ­faktischen Überschriften? Nein, im Ernst, mit einem Stück schwarzer Pappe lässt sich bereits bei der Aufnahme (nicht erst beim Vergrößern) im Prinzip ein Grauverlaufs­filter simulieren:

Die Idee hatte ich, als ich neulich bei Fotohabitate über den Einsatz eines Verlaufs­filters in der Landschafts­fotografie las (wo es dazu dient, um die Mittags­zeit den Himmel abzudunkeln und vor dem Ausfressen zu retten). Ein solches Teil habe ich auch in meiner Sammlung, habe es bisher aber als Spielzeug betrachtet, weil es in einer normalen runden Fassung steckt, die zwar drehbar ist, aber naturgemäß lässt sich die Übergangs­zone dann nicht in der vertikalen Lage anpassen, das taugt also bloß bei langweilig-mittigem Horizont. Und einstellbare Filter­schubladen­systeme sind so aberwitzig teuer, dass ich darüber erst gar nicht nachdenke. Aber was – so mein Gedanke –, wenn man das Dunkelkammer-Prinzip des Abwedelns schon auf die Aufnahme anwendet?

Gleich mal probieren. Klappt:

Das ist ein schnell geschossenes und ebenso quick’n’dirty, ohne Rücksicht auf Finger­abdrücke entwickeltes Testbild bei hartem Mittags­licht auf meinem Strichfilm, Licht­messung im Schatten des vorderen Strauches – linke Hälfte normal belichtet, rechts habe ich während der gesamten Belichtungs­zeit die schwarze Pappe mehrmals von oben bis zur Mitte des Objektivs und wieder zurück geschwenkt. Resultat ist genau der Effekt, den ich haben wollte – so viel Zeichnung im Himmel würde ich bei hartem Film mit dem dollsten Farb-Kontrast­filter nicht hinbekommen.

Bei 60 Grad schließt sich der Kreis

Zumindest metaphorisch – als mathematische Tatsachen­behauptung würde diese Überschrift eher nicht durchgehen …

Worum geht’s? Nun, meine allererste Kamera, ein Konfirmations­geschenk meines Patenonkels, war eine Kleinbildkamera Canon AF35M mit fester 38mm-Brennweite – was einem Bildwinkel über die Diagonale von rund 60° entspricht. Wie ich im Lauf der Jahrzehnte immer wieder merkte, ist der für viele Zwecke ideal: Er erfasst ein bisschen mehr Weite als das typische 50er Normalobjektiv (Bildwinkel ca. 47°), was an der Küste oder in den Bergen oft nützlich ist, aber ist dabei noch nicht so weitwinklig, dass es bei Portraits schon zu Knollen­nasen kommt. Und so gab es zwar Zeiten, da hätte ich das 50er (bzw. 55er Makro) als meine Lieblings­brennweite genannt, aber inzwischen komme ich, wenn ich nur ein Objektiv dabeihaben möchte, meist doch wieder auf – je nach Kameratyp – 35 bis 40 mm zurück.

Und etwa 35 Jahre nach der Canon schließt sich jetzt der Kreis:

Für mein inzwischen wichtigstes Kamera­system – im „kleinen Großformat“ 9x12cm – habe ich durch Zufall ein 127mm-Objektiv gefunden. Und bei einem Umrechnungs­faktor von 3,3 entspricht das im wirksamen Bildwinkel nahezu exakt dem 38er beim Kleinbild­format, es ist also quasi mein Fachkamera-Idealobjektiv.

Von diesem Objektiv – einem Enna München Ennit 127mm 1:4,7 – wusste ich vorher gar nicht, dass es überhaupt existiert. Und weil auch das große Internet wenig über diese Optik zu sagen weiß, stelle ich das gute Stück hier mal ausführlicher vor. (mehr …)