Über die Grenzen des Papiernegativs

Wie hier schon mal erwähnt, ist Fotopapier als Negativ in der Großformat­kamera zwar eine preis­günstige und bequeme Alter­native zu Planfilm, aber bei hohen Kontrasten schnell überfordert. Nach einigen Hinweisen von Kollegen bei flickr habe ich jetzt mal was ausprobiert, um in solchen Fällen die Grenzen des Materials zu dehnen.

Die folgenden Beispielbilder sind nix Dolles, nur rasch aus der Küchen­tür geknipst. Verwendetes Papier ist „uraltes“ Orwo BN1-Baryt­papier, Format 7×10 in einem 9×12-Halter (daher die Ecken: In Ermangelung von Masken habe ich es mit Fotoecken in der Kassette fixiert).

Variante 1, Spotmessung auf die halb­schattigen Bereiche des Hauses, Belichtung für ISO 6 – Himmel völlig ausgefressen, unten zu dunkel:

Variante 2, Belichtung für ISO 3 den Schatten zuliebe, Grauverlaufs­filter zum Abdunkeln des Himmels (das aber nicht stark genug ist):

Variante 3, Stichwort „Preflash“ – Fotopapier vor der eigent­lichen Aufnahme, noch in der Dunkel­kammer, vorbelichten; in diesem Fall habe ich eine LED-Taschenlampe für einen Sekunden­bruchteil gegen die Decke aufblitzen lassen. Anschließend habe ich, wieder mit Grauverlauf, für ISO 12 belichtet. Et voilà – üppig Zeichnung im Himmel, aber auch in den dunklen Partien ist fast genug Information:

Ist natürlich Extra-Aufwand, aber überschaubar. Und die Ergebnisse sind mal wieder nicht exakt planbar, aber das erwarte ich von analogem Arbeiten auch gar nicht …

Besser als ein Objektiv-Adapter

Wenn sehr kleine Objekte zu fotografieren sind, verwende ich dazu gern ein Vergrößerungs­objektiv am Balgen­gerät. Nun hat mein Balgen einen Nikon-Anschluss, während Dunkelkammer-Optiken traditionell ein M39-Gewinde haben. Das könnte man zwar mit einem Adapter über­brücken, aber es geht noch besser:

Und zwar mit Fotoknete, die schon seit Jahren zu meinen wichtigsten Foto­utensilien gehört. Was daran besser ist als an einem Adapter? Ganz einfach – man ist nicht drauf fest­gelegt, das Objektiv exakt parallel zur optischen Achse zu montieren, sondern kann es ein paar Grad ver­schwenken (so genannter Tilt):

Damit lässt sich die Lage der Schärfe­ebene hervor­ragend so modifizieren, dass ein größerer Bereich des Motivs in die Schärfe kommt, was bei extremen Makros mit winziger Schärfen­tiefe sehr wichtig sein kann. Siehe diese beiden Beispiel­fotos – die Perspektive ist nicht exakt identisch, aber der Effekt ist einiger­maßen repräsentativ:

Dieses chinesische Schrift­zeichen als Monotype-Letter ist etwa 3mm groß, ich habe beide Bilder bei Blende 8 in leicht schräger Aufsicht fotografiert. Beim ersten saß das Objektiv „ordnungs­gemäß“ auf dem Balgen, beim zweiten war die Objektiv­ebene ein wenig in Richtung der Motivebene verschwenkt.

Im Idealfall treffen sich gedachte Bild-, Objektiv- und Motivebene in einem Punkt, siehe Wikipedia. In der Praxis wird man das, zumal bei so winzigen Motiven, nicht exakt steuern können, aber da ich hier mit einer Digital­kamera fotografiert habe, konnte ich den Effekt direkt am Monitor überprüfen.

(Gestalterisch finde ich die geringe Schärfen­tiefe übrigens attrak­tiver; aber hier ging es um dokumen­tarische Zwecke, dahinter hat die Schönheit zurückzustehen.)

Graufilter bei Verschlussproblemen

Wenn man mit Jahrzehnte alten Kameras fotografiert, wird man früher oder später mit Unregel­mäßigkeiten in der Verschlusszeit-Steuerung konfrontiert werden – ob Zentral- oder Schlitz­verschluss, die Genauigkeit der einge­stellten Zeiten lässt dann zu wünschen übrig. Und selbst mit Schwarz­weißfilm ist es nicht egal, ob eine Dreißigstel Sekunde in Wirklichkeit eine Achtel ist oder (schlimmer) umgekehrt.

Solche Sachen lassen sich zwar in der Regel reparieren, aber wenn man es nicht selbst kann (und ich schaue mir solche Sachen zwar in der Regel von innen an, aber Verschlüsse überfordern mich meist), dann wird es schnell sehr teuer. Und für die wenigsten histo­rischen Knips­maschinen sind mehrere hundert Euro Reparatur­kosten gerecht­fertigt, leider.

Aber solange sich der Verschluss noch in der B-Stellung öffnen lässt, kann man die Kamera noch sinnvoll verwenden. Und zwar bei jedem Licht – mit starken Graufiltern (auch ND-Filter für Neutraldichte genannt). Interessant sind solche ab logarithmischer Dichte 2,0, das entspricht einer nötigen Belichtungs­zeit­verlängerung um Faktor 100: Wo ohne Filter 1/30 fällig wäre, müssen es dann 3 Sekunden sein (bzw. 6 bis 8 oder noch mehr, je nach Film, unter Berück­sichtigung des Schwarzschild-Effekts).

Auf dem extrem hakeligen Tuchverschluss meiner alten Reisekamera montiertes ND2,7-Filter, Belichtungs­zeit­verlängerung x400
Unterwegs finde ich es hilfreich, einen Spickzettel für die Umrechnung dabeizuhaben

Auf dem zweiten Bild sieht man auch meine Notizen zum Schwarzschild-Effekt (gültig für meinen Standardfilm Fomapan 100). Die Tabelle sieht auf den ersten Blick merkwürdig aus:
rechnerisch 1 Sekunde -> Belichtung zwei Sekunden oder 1 Blende öffnen
rechnerisch 10 Sekunden -> Belichtung 50 Sekunden oder 2 Blenden öffnen
rechnerisch 100 Sekunden -> Belichtung 1200 Sekunden oder 3 Blenden öffnen
Die Diskrepanz (drei Blenden öffnen entspricht Faktor 8, nicht 12) ergibt sich daraus, dass bei weiterer Verlän­gerung der Belich­tungszeit der Schwarzschild-Effekt noch stärker wird, das ist also eine Art Zinseszins-Kompensation.
*** Einschub, August 2019: An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass die Sensoren von Digital­kameras keinen Schwarzschild-Effekt kennen; es kommt also unab­hängig von den Licht­verhältnissen und der einge­stellten Empfind­lichkeit immer derselbe Verlängerungs­faktor des Filters zum Tragen. Auch mit der Digitalen sollte man diesen Faktor allerdings einmal genau ermitteln – siehe dazu den hübschen Quicktest bei Matthias Haltenhof. ***

Übrigens gibt es, wenn man nur mit Schwarz­weißfilm arbeitet und es um eher große Objektive geht, noch eine sehr preis­günstige Alternative zum ND-Filter: Schutzglas für Schweißer­brillen! Das wird in unter­schied­lichen DIN-Klassen angeboten, ich habe eins in DIN13, was sich in *ungefähr* 13 Blenden oder Verlängerungs­faktor 10.000 übersetzt (eher noch etwas mehr). Darauf habe ich einen Filter­adapterring mit 82mm Außengewinde geklebt, um das Glas direkt auf dem Weitwinkel der Großformat­kamera benutzen zu können.

Hier erkennt man, warum sich Schweißglas nur für SW-Film eignet – der Farbstich ist brutal. Aber 30 Sekunden Belichtungszeit bei Blende 2,0 am hellichten Tag sind für entsprechende Motive natürlich charmant; nur der Wind darf nicht so stark sein wie hier

Aus all dem wird klar: Schnappschüsse klappen so nicht mehr. Aber mit Stativ und Drahtauslöser (oder notfalls Pappe davor – Pappe weg) kann man so auch mit der klapprigsten Kamera immer noch fotografieren. Und Bewegungs­unschärfe in Laub, Wasser oder bei Passanten im Bild gibt so einem Foto immer noch etwas Patina extra – schließlich brauchten Urgroßvaters Glasplatten auch solche Belichtungs­zeiten …

Bilder vom Pinholeday 2018

Ein kleiner Anleitungs­artikel über die Fotografie mit der Camera obscura, der Lochkamera, wäre hier beizeiten auch mal fällig – das ist eine wunderbar einfache Methode, die Bild­produktion zu entschleunigen und dabei zu sehr poetischen Resultaten zu gelangen.

Weil ich gerade aber wenig Zeit habe, kommt heute erst mal eine kleine Bilder­sammlung – einschließlich Making-ofs – mit Motiven, die ich am diesjährigen Welt-Lochkameratag aufgenommen habe. Der Pinholeday findet immer am letzten Sonntag im April statt, und bis Ende Mai kann man dann sein Foto in der Galerie einreichen.

Mein Galeriebeitrag 2018 ist diese Aufnahme, entstanden noch relativ früh am Morgen (ich wollte bei niedrigem Bildausschnitt die Sonne mit im Bild haben):

Aufgenommen ist das Ganze (15 Minuten lang durch ein 1/3mm großes Stecknadel-Loch bei 95mm Bildweite, das entspricht ca. Blende f/280) mit einer selbst­gebauten Holzkamera, die 13×18-Planfilm­kassetten schluckt:

Das zweite Bild in der Kassette war dann wenig später dieses hier:

Sicherheitshalber hatte ich noch eine zweite Kamera dabei, nämlich eine modifizierte Agfa Clack 6×9:

Bei acht Bildern, die auf einen Rollfilm passen, habe ich es zwei Mal geschafft, das Transportieren nach der Aufnahme zu vergessen, was natürlich zu Doppel­belichtung führt. Das war im Nachhinein aber beide Male gar nicht schlimm:

(Der interessanteste Ausschnitt im zweiten Bild sind die Häuser in den Bäumen:)

Hier noch drei „ungedoppelte“ Motive von der Rolle:

Und hier die Clack, während sie die Waldszene aufnimmt:

Der Film war in beiden Formaten Fomapan; die Planfilme habe ich in Rodinal 1:50 in der Schale entwickelt, den Rollfilm in 1:100 mit Standentwicklung. Leider finde ich bei letzterer neuerdings öfters mal Schlieren auf den Negativen, etwa solche:

(Weshalb ich inzwischen wieder dazu übergehe, doch lieber 1:50 zu verdünnen und nur rund 15 Minuten mit regelmäßiger Bewegung zu entwickeln.)

***

Und weil man ja vorher nicht sicher weiß, ob die Entwicklung klappt, hab ich am Mittag des Pinholeday auch noch ein paar Bilder mit der Digitalkamera durch einen gebohrten Gehäuse­deckel gemacht. Die Effekte der Sonne direkt im Bild sind nämlich bei der Lochkamera­fotografie auch sehr attraktiv:

Zwei Ideen zum Fachkamera-Tuning

Wer zum Fotografieren in die Natur geht und dabei Planfilme belichten will, der verwendet normalerweise eine Laufbodenkamera wegen ihres günstigen Packmaßes. Mein „richtiges“ Großformat-System (neben der antiken hölzernen Schönheit) ist allerdings aus diversen Gründen eine optische Bank; und weil ich die nicht immer komplett zerlegen möchte, um sie in einen Rucksack packen zu können, habe ich mir was ausgedacht:

Das Problem der Cambo SC ist, dass sie selbst bei Montage auf dem kurzen Grundrohr in allen drei Dimensionen mindestens 30 cm misst und einen entsprechend großen Koffer braucht. Da solche Grundrohre aber zu teuer sind, um sie zu zersägen, habe ich mal nachgemessen: Der quadratische Querschnitt hat eine Seitenlänge von exakt einem Zoll, also 25,4 mm. Nun bekommt man in D bei jedem einschlägigen Metallbetrieb Vierkant-Aluminium 25×25 mm im Zuschnitt für kleine einstellige Eurobeträge; davon habe ich mir zwei Stücke in 16 cm Länge zuschneiden lassen und noch Endstopfen mitbestellt.

Zum Einpacken der Kamera schiebe ich beide Standarten nacheinander vom Grundrohr herunter und aufs neue drauf, der Balgen muss dabei nicht demontiert werden; den Bankhalter setze ich 90° versetzt auf, dann lässt sich alles noch näher zusammenschieben:

Jetzt ist das Ganze, flach hingelegt, selbst mit angesetztem 90er Weitwinkel nur noch knapp 20 cm hoch und passt in den Fotorucksack, ein paar Kassetten und der Belichtungsmesser noch daneben. Wenn man nicht in den Makrobereich will, reicht fürs 90er das Transport-Rohr sogar für den Auszug, man muss das größere Rohr dann gar nicht mitnehmen. (Die Standarten sitzen auch auf dem neuen Alurohr ziemlich straff, man muss nur ein bisschen beim Fokussieren aufpassen, weil ja die Sperrknöpfe am Ende fehlen.) Und schon hat der Terminus Mit kleiner Ausrüstung unterwegs sein ganz neue Bedeutung …

***

Das andere Ende des Spektrums ist erreicht, wenn man mit sehr langen Brennweiten und/oder im extremen Nahbereich arbeiten möchte; dann ist auch das 54er Grundrohr nicht lang genug. Aber beim Metallbauer gibt es ja auch 30x30er Vierkantrohre mit 2 mm Wandstärke, da passt ein zölliges Grundrohr prima rein – man erkennt die Idee schon:

Hier habe ich auf gegenüberliegenden Seiten (um nicht zwei Stresspunkte direkt nebeneinander im Material zu haben) leicht versetzt je ein Loch für den Sperrknopf gebohrt und habe jetzt einen hinreichend soliden Verbinder.

Dann muss man nur noch eine 9×12-Konfiguration ohne Mattscheibenrückteil

mit einem 13×18-Aufbau ohne Objektivplatine kombinieren (nicht vergessen, je ein Stativ unter jede Hälfte zu packen …),

und schon hat man eine Kamera, neben der all die Superteles hinterm Fußballtor ziemlich mickrig aussehen:

Wenn man beispielsweise bei diesem Setup ein 600mm-Reproobjektiv montiert,

kommt man mit balgenschonendem Gesamtauszug von „nur“ 90 cm auf einen Abbildungsmaßstab von 1:2 bei einer Gegenstandsweite (lichter Abstand vom Motiv zum Objektiv, vereinfacht gesagt) von 1,8 Metern. Theoretisch traumhafte Werte für die Libellenfotografie – gäbe es da nicht beim Arbeiten mit der Fachkamera das eine oder andere Tempo-Handicap …

DIY-Verdrehsicherung fürs Fotostativ

Wer gelegentlich auf dem Stativ befestigtes schweres Fotogerät durch die Gegend zu tragen hat, kennt das Problem: Die Verbindung zwischen Kamera und Stativkopf bzw. Schnellwechselplatte besteht nur aus einer einzigen Schraube (1/4 oder 3/8 Zoll), und wenn man sich das Ensemble rasch über die Schulter schwingt, ist die Ausrüstung hinterher völlig verdreht und lose geruckelt.

Dafür gibt es durchaus findige Lösungsansätze; aber die kommen meist als Maßanfertigungen aus US-Garagenfirmen, sind aberwitzig teuer und üblicherweise nur mit ebensolchen Stativköpfen kompatibel. Wenn man stattdessen ein beliebiges Schnellwechselsystem hat, das Platz für mehr als eine Schraube zur Stativschelle der Kamera oder des Objektivs hin bietet, kann man stattdessen mit sehr überschaubarem Aufwand selbst was basteln.

(Obligatorischer Hinweis an dieser Stelle: Die folgende Prozedur ist nicht geeignet, den Wiederverkaufswert der Kameraausrüstung bei Sammlern zu steigern.)

Benötigt wird ein Gewindeschneider nebst passendem Kernlochbohrer – ich verwende M4 und 3,3mm. Damit schneide ich in geeignetem Abstand neben dem Original-Stativgewinde ein weiteres Gewinde ins Metall und fixiere entsprechend mit einer M4-Schraube.

Das bewährt sich bei mir prima z.B. an der Stativschelle eines langen Teleobjektivs oder dem Bankhalter der Fachkamera. (Mein aktuell bevorzugter Typus, die Holzkamera, erlaubt es demgegenüber, die Wechselplatte direkt doppelt anzuschrauben.) Natürlich dürfte so ein Gewinde nicht so entspannt auf ständiges Rein- und Rausschrauben reagieren wie ein originales, aber dafür hat man ja die vergleichsweise preisgünstigen Wechselplatten – damit die dauerhaft montiert bleiben können …

Unverhofft kompatibel

Vor einiger Zeit fand ich in einer Trödelhalle dieses unscheinbare Behältnis mit Aufschrift Braun Nürnberg,

dessen Inhalt sich als Aufsteck-Halter für Farbfilter entpuppte; je ein gelbes, orangefarbenes, grünes und klares Scheibchen waren dabei.

Zwar habe ich trotz mittlerweile fast musealem Umfang meiner Sammlung historischer Kameras noch keine, die unmittelbar etwas mit der 32-mm-Aufsteckfassung anfangen kann, weshalb ich ursprünglich vorhatte, mir damit für eine der Lochkameras was zu basteln. Aber die Halterung ist zweiteilig mit Schraubgewinde,

und das hat das freundliche Maß 30,5mm. Damit passt es perfekt auf die Rollei 35:

Schöne Sache, das. Die Rollei habe ich sowieso sehr gern, weil ihr knackscharfes 40er einen für viele Zwecke idealen Bildwinkel hat und die Kamera nicht halb so viel Raum in der Tasche einnimmt wie z.B. die M4P (mehr über die Rollei 35 nebenan bei Josef Tröszter). Und mit gleich drei Farbfiltern – für in diesem Fall einen einstelligen Eurobetrag – ist das Schnuckelchen für Schwarzweiß jetzt ideal ausgestattet.

Die Sache mit der Beugung

Die meisten Großformatkameras (zumindest die analogen) sind so einfach aufgebaut, dass man mit wenig Aufwand praktisch alles als Objektiv adaptieren kann, was ein oder mehrere Linsen hat – Hauptsache, es erzeugt einen hinreichend großen Bildkreis für das gewünschte Aufnahmeformat und hat nicht mehr Brennweite, als der Balgen an Auszug hergibt. Bei Objektiven, die ursprünglich für große Reprokameras gemacht waren, stellt sich zumindest die Bildkreisfrage nicht, wenn man höchstens 13×18 cm belichtet; und so habe ich neulich ein Rodenstock Apo-Ronar 480mm f/9 in Betrieb genommen und erste Tests gemacht.

Zur dafür erforderlichen Bastelei vielleicht später was, hier geht es mir um einen Effekt, der mir bis dato noch nicht begegnet war:

Das Objektiv kam ohne Verschluss zu mir, und einen Hinterlinsenverschluss besitze ich auch noch nicht. Deshalb war ich einerseits dankbar, dass das Objektiv rückwärtig ein Filtergewinde hat, in das mein ND400-Graufilter reinpasst – damit komme ich auch im Offenblenden-Bereich auf Belichtungszeiten von mehreren Minuten, wodurch sich sehr komfortabel per Deckel auf / Deckel zu belichten lässt. Andererseits ist der Blendenbereich regelbar bis f/260, wodurch man auch mal bei Tageslicht aufs ND-Filter verzichten kann. Dachte ich …

Von weitem sehen die entsprechenden Testbilder (auf Rollfilm 6×7) auch gut aus: Für eine Brennweite, die bei 6×7 bereits einem kräftigen Teleobjektiv entspricht, ist die Schärfentiefe bei starkem Abblenden recht spektakulär, siehe die beiden Vergleichsbilder mit f/11-16 bzw. f/180 – eins mit, eins ohne Graufilter.

Aber schaut man genauer hin, dann ist da beim weit abgeblendeten Bild eine gewisse Flauheit, ein Verlust an Detailauflösung, der im offenen trotz des zusätzlichen Filters nicht vorhanden ist und der meines Erachtens auch nicht (oder nicht nur) auf Verwacklung zurückzuführen ist, weil er wiederkehrend bei unterschiedlichsten Belichtungszeiten auftritt:


Das muss diese berüchtigte Beugungsunschärfe sein, die man im normalfotografischen Leben praktisch nie sieht, weil sich die meisten Objektive nicht weiter abblenden lassen, als es ihrem jeweiligen Einsatzgebiet förderlich ist. Fraglich, warum das hier vorgesehen ist, zumal ja beim primären Zweck eines Reproobjektivs, eben der Reproduktion, gar keine nennenswerte Tiefenschärfe erforderlich ist (okay, außer der Differenz zwischen der Gegenstandsweite im Zentrum bzw. den Ecken).

Jedenfalls sollte ich offensichtlich, wenn ich Wert auf möglichst hohe Bildschärfe lege, das Objektiv nicht viel weiter als f/45 abblenden. Dann bleibt es eben beim Graufilter, um auf manuell steuerbare Belichtungszeiten zu kommen … Action ist für solche Kamera-/Objektiv-Kombinationen ohnehin nicht das typische Einsatzgebiet 🙂 Oder ich mache Negativvorlagen für Cyanotypien auf Büttenpapier, dann ist das letzte Krümelchen Auflösung auch verzichtbar …