Vom Digitalfoto zur Buchdruck-Postkarte

Als ich dieser Website den Untertitel „postdigitaler Handpressendruck“ gab, spielte da einerseits mein Gefühl eine Rolle, dass die digitale Ära ihre besten Jahre schon wieder hinter sich hat; andererseits nutze ich als Kind dieser Zeit natürlich die sich bietenden Möglichkeiten und verwende Digitaltechnik, wo immer sie mir einen Vorteil bietet – auch unterstützend bei Buchdruck-Projekten. Im Folgenden zeige ich eine der vielen denkbaren Möglichkeiten, wie aus einem Digitalfoto eine Handpressen-Postkarte entsteht:

Ausgangspunkt ist ein Segelboot, aufgenommen 2012 mit langem Tele bei Frühnebel an der Ostsee.

Die Raw-Datei wird auf sehr steilen Kontrast hin ausgearbeitet und dann mit dem Laserdrucker auf Overheadfolie ausgedruckt (folgendes Bild, links); dieses durchscheinende Positiv kopiere ich in der Dunkelkammer im Kontakt, Schicht auf Schicht, auf Strich-Planfilm um (rechts).

(Man sieht hier deutlich, dass ich den Lithfilm reichlich belichtet habe, um feinste Details noch durch Überstrahlung zu beseitigen und dergestalt weiter zu abstrahieren.)

Das so entstandene Negativ wandert sodann in den UV-Belichter, wo es auf eine Nyloprint-Fotopolymerplatte umkopiert wird. Damit einwandfreie Planlage gewährleistet ist (sonst wird das Klischee unscharf), muss die Platte etwas größer zugeschnitten sein als der Film; ich muss also nach Belichtung, Auswaschen und Härten die Platte noch auf das druckende Endformat zuschneiden.

In Ermangelung einer soliden Schlagschere mache ich das mit einem Teppichmesser, wenig Druck und viel Geduld, um die endgültige Trennung mit Biegen über die Kante des Schneidelineals zu bewerkstelligen.

 

Danach habe ich also eine Druckform, mit der ich nun Johanna, die große Andruckpresse, bestücke und die gewünschte Stückzahl drucke:

Weil im Lauf des Abstraktionsprozesses viel Wasser im Bild verloren gegangen ist – und auch um zu schauen, wie es aussieht –, lege ich für einen Teil der Auflage noch eine zweite Druckform an, in der ich per Holzschnitt etwas Wasseroberfläche nachliefere:

 

Nachdem das bewältigt ist, folgt noch die Rückseitenbeschriftung der Postkarten mit einem kleinen Urhebervermerk. Das erledige ich mit einer schnell gesetzten Zeile Bleisatz und der Hilfe von Adele, der winzigen Tiegelpresse:

 

Dann nur noch aufs Nettoformat beschneiden, und schon sind die Postkarten fertig. Manche so,

manche so,

und ein paar habe ich auch mit bewusst stärker unterfüttertem Nyloklischee gedruckt (ein, zwei Stückchen 80g-Papier machen da schon einen Unterschied), um auch die eigentlich nicht druckenden Partien des Klischees einzufärben und so etwas zusätzliche Struktur in den Himmel zu zaubern:

Tatsächlich sehen über die gesamte Auflage hin keine zwei Karten genau gleich aus, auch weil ich zwischendurch mal den Farbton variiert habe. Für exakte Reproduzierbarkeit könnte ich schließlich auch digital drucken (lassen), das wäre schneller und billiger. In den kleinen Abweichungen hier und da liegt für mich der Charme dieser Technik – es ist nun mal Handwerk und keine Roboter-Produktion.

Bloß ein Klischee

… aber ein besonderes insofern, als es mein erstes Probe-Klischee ist, das ich selbst mit UV-Belichter, Lithfilm und Nyloprint-Platte erstellt habe.


Denn auch mit noch so vielen Bleilettern-Sätzen gibt es immer noch Dinge, die sich nicht aus der Schublade realisieren lassen, und alles kann und mag man ja auch nicht in Holz schneiden. Wer ein Design aus dem Rechner drucken will, der macht das heute ja per CtP, Computer-to-Plate, aber das ist für eine Ein-Personen-Manufaktur weder finanziell noch ideell akzeptabel.

Deshalb ist der Umweg über die Filmbelichtung einer Druckvorlage nebst chemischer Entwicklung nötig, und anschließend wird dieses Filmnegativ auf eine lichtempfindliche Polymerplatte umkopiert, wo die belichteten Partien aushärten.
Die kann man dann baden, um die unbelichteten Bereiche auszuwaschen – ein besonderes Vergnügen für Leute, die auf intensiv duftenden rosa Schaum abfahren –

und anschließend hat man ein Relief der Positivform, die man nur noch mit geeignetem Unterlegmaterial auf Schrifthöhe bringen muss, um davon drucken zu können.

Keine Frage: In diesem Prozess ist für mich noch Luft nach oben, bis die Ergebnisse standfest und konturenscharf sind, aber schon das Experimentieren macht eine Menge Spaß – es fühlt sich ganz ähnlich an wie damals in den Achtzigern meine ersten Versuche im Fotolabor. Und die Technik mag zwar nicht state-of-the-art sein, sie dürfte jedoch eine Menge kreativ nutzbares Potenzial haben.