Zwei Ideen zum Fachkamera-Tuning

Wer zum Fotografieren in die Natur geht und dabei Planfilme belichten will, der verwendet normalerweise eine Laufbodenkamera wegen ihres günstigen Packmaßes. Mein „richtiges“ Großformat-System (neben der antiken hölzernen Schönheit) ist allerdings aus diversen Gründen eine optische Bank; und weil ich die nicht immer komplett zerlegen möchte, um sie in einen Rucksack packen zu können, habe ich mir was ausgedacht:

Das Problem der Cambo SC ist, dass sie selbst bei Montage auf dem kurzen Grundrohr in allen drei Dimensionen mindestens 30 cm misst und einen entsprechend großen Koffer braucht. Da solche Grundrohre aber zu teuer sind, um sie zu zersägen, habe ich mal nachgemessen: Der quadratische Querschnitt hat eine Seitenlänge von exakt einem Zoll, also 25,4 mm. Nun bekommt man in D bei jedem einschlägigen Metallbetrieb Vierkant-Aluminium 25×25 mm im Zuschnitt für kleine einstellige Eurobeträge; davon habe ich mir zwei Stücke in 16 cm Länge zuschneiden lassen und noch Endstopfen mitbestellt.

Zum Einpacken der Kamera schiebe ich beide Standarten nacheinander vom Grundrohr herunter und aufs neue drauf, der Balgen muss dabei nicht demontiert werden; den Bankhalter setze ich 90° versetzt auf, dann lässt sich alles noch näher zusammenschieben:

Jetzt ist das Ganze, flach hingelegt, selbst mit angesetztem 90er Weitwinkel nur noch knapp 20 cm hoch und passt in den Fotorucksack, ein paar Kassetten und der Belichtungsmesser noch daneben. Wenn man nicht in den Makrobereich will, reicht fürs 90er das Transport-Rohr sogar für den Auszug, man muss das größere Rohr dann gar nicht mitnehmen. (Die Standarten sitzen auch auf dem neuen Alurohr ziemlich straff, man muss nur ein bisschen beim Fokussieren aufpassen, weil ja die Sperrknöpfe am Ende fehlen.) Und schon hat der Terminus Mit kleiner Ausrüstung unterwegs sein ganz neue Bedeutung …

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Das andere Ende des Spektrums ist erreicht, wenn man mit sehr langen Brennweiten und/oder im extremen Nahbereich arbeiten möchte; dann ist auch das 54er Grundrohr nicht lang genug. Aber beim Metallbauer gibt es ja auch 30x30er Vierkantrohre mit 2 mm Wandstärke, da passt ein zölliges Grundrohr prima rein – man erkennt die Idee schon:

Hier habe ich auf gegenüberliegenden Seiten (um nicht zwei Stresspunkte direkt nebeneinander im Material zu haben) leicht versetzt je ein Loch für den Sperrknopf gebohrt und habe jetzt einen hinreichend soliden Verbinder.

Dann muss man nur noch eine 9×12-Konfiguration ohne Mattscheibenrückteil

mit einem 13×18-Aufbau ohne Objektivplatine kombinieren (nicht vergessen, je ein Stativ unter jede Hälfte zu packen …),

und schon hat man eine Kamera, neben der all die Superteles hinterm Fußballtor ziemlich mickrig aussehen:

Wenn man beispielsweise bei diesem Setup ein 600mm-Reproobjektiv montiert,

kommt man mit balgenschonendem Gesamtauszug von „nur“ 90 cm auf einen Abbildungsmaßstab von 1:2 bei einer Gegenstandsweite (lichter Abstand vom Motiv zum Objektiv, vereinfacht gesagt) von 1,8 Metern. Theoretisch traumhafte Werte für die Libellenfotografie – gäbe es da nicht beim Arbeiten mit der Fachkamera das eine oder andere Tempo-Handicap …

3 Kommentare

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Thomas_U 13. Januar 2018 Antworten

beeindruckend!

chw 13. Januar 2018 Antworten

Was mich ja am meisten fasziniert, ist, dass ich bei solchen Geräten noch mit extrem einfachen und preisgünstigen Mitteln die Funktionalität erweitern kann; je elektronischer und digitaler, desto mehr bin ich auf teures Spezialzubehör angewiesen. – Makro mit dem 600er ist allerdings kein realistisches Szenario … Aber ich freue mich schon drauf, mit dem 600er mal Landschaft an der Küste zu fotografieren. (Bei nicht so starkem Wind.)
Das potenzielle Runterrutsch-Problem mit den kurzen Grundrohren habe ich inzwischen auch gelöst – eine Gewindestange, zwei Bleche 3×3 cm und zwei Flügelmuttern, fertig. Jetzt fehlt mir nur noch besseres Fotowetter …

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