Ja halloo!, ist das schon wieder eine meiner alternativ­faktischen Überschriften? Nein, im Ernst, mit einem Stück schwarzer Pappe lässt sich bereits bei der Aufnahme (nicht erst beim Vergrößern) im Prinzip ein Grauverlaufs­filter simulieren:

Die Idee hatte ich, als ich neulich bei Fotohabitate über den Einsatz eines Verlaufs­filters in der Landschafts­fotografie las (wo es dazu dient, um die Mittags­zeit den Himmel abzudunkeln und vor dem Ausfressen zu retten). Ein solches Teil habe ich auch in meiner Sammlung, habe es bisher aber als Spielzeug betrachtet, weil es in einer normalen runden Fassung steckt, die zwar drehbar ist, aber naturgemäß lässt sich die Übergangs­zone dann nicht in der vertikalen Lage anpassen, das taugt also bloß bei langweilig-mittigem Horizont. Und einstellbare Filter­schubladen­systeme sind so aberwitzig teuer, dass ich darüber erst gar nicht nachdenke. Aber was – so mein Gedanke –, wenn man das Dunkelkammer-Prinzip des Abwedelns schon auf die Aufnahme anwendet?

Gleich mal probieren. Klappt:

Das ist ein schnell geschossenes und ebenso quick’n’dirty, ohne Rücksicht auf Finger­abdrücke entwickeltes Testbild bei hartem Mittags­licht auf meinem Strichfilm, Licht­messung im Schatten des vorderen Strauches – linke Hälfte normal belichtet, rechts habe ich während der gesamten Belichtungs­zeit die schwarze Pappe mehrmals von oben bis zur Mitte des Objektivs und wieder zurück geschwenkt. Resultat ist genau der Effekt, den ich haben wollte – so viel Zeichnung im Himmel würde ich bei hartem Film mit dem dollsten Farb-Kontrast­filter nicht hinbekommen.

Dies ist ein Grauverlaufsfilter

2 Gedanken zu „Dies ist ein Grauverlaufsfilter

  • 27. Mai 2019 bei 22:55
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    so etwas habe ich mit meiner Zero 612D Pinhole Kamera auch versucht. Diese hat einen 40mm Lochabstand/Brennweite und vignettiert bei 12cm Negativ sehr stark. Kein Wunder, im Zentrum ist das Loch 40mm vom Film entfernt, am Rand sind es 72mm. Ich hatte mir dafür eine kleine runde Pappe ausgeschnitten und an einem Draht (wie unter den Vergrößerer) vor dem Loch bewegt.
    Hat aber leider nicht so richtig funktioniert, die Strahlen am Rand treffen so schräg auf den Film, dass neben Vignettierung auch ein starker Effekt von „verschmieren“ auftritt. Einige Bilder unten über den link zu flickr

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    • 28. Mai 2019 bei 7:48
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      Moin Dierk, bei Lochkameras ist es mir auch noch nicht zufriedenstellend gelungen, die Vignettierung oder auch das Helligkeitsgefälle Himmel zu Vordergrund in den Griff zu bekommen. Ich hatte den Eindruck (habe dafür aber keine Beispielbilder parat), dass nicht mal ein richtiges Verlaufsfilter vor einem Pinhole so gut funktioniert wie vor einem Objektiv. Kann das daran liegen, dass die streuenden Glasteile den Übergangsbereich des Filters noch mal absoften (vor einem Pinhole streut ja nix)?

      Wie auch immer: Bei Lochkamera-Aufnahmen kann ich die Vignettierung und sonstige Bildrandfehler eigentlich auch gut akzeptieren, das passt für mich insgesamt zum Charme des Mediums. Klar geht es immer noch mal besser, siehe die 6×17-Modelle mit gekrümmter Rückwand, aber irgendwann wird der konstruktive Aufwand so immens, dass man auch gleich mit Glas fotografieren kann 🙂

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