Auch wenn es vermutlich die stabilste Verbindung wäre, wird es nur in den seltensten Fällen ausreichen, die Kamera direkt auf die Stativbasis zu schrauben – zu mühsam wäre die Ausrichtung des Bildausschnitts. Ein Stativkopf muss also her, und wie bei den Beinen stellen die Großformat- und/oder Lochkamera-Fotografie auch an den Kopf erhöhte Anforderungen. Daher hier einige Notizen zu meinen Erfahrungen mit diversen Stativköpfen. (Experten wird auffallen, dass kein Schweizer Fabrikat dabei ist. Diese zwar oft gelobten Modelle habe ich zu keinem Zeitpunkt in Erwägung gezogen, weil sie einfach weit außerhalb meines Budgets liegen.)

Das Bild oben zeigt die drei Köpfe, die bei mir zum Einsatz kommen, sobald die Kamera größer wird als Kleinbild. Der Reihe nach:

Dem 3-Wege-Getriebeneiger links, einem Manfrotto 410, sieht man deutlich an, dass ich ihn bereits seit rund 20 Jahren intensiv nutze; aber er funktioniert immer noch fast tadellos. Fast bedeutet, dass er inzwischen in der Längsachse minimal Spiel entwickelt hat, aber das fällt in der Praxis nicht auf, außer ich habe eine sehr sperrige, nicht allzu schwere Kamera stark gekippt ausgerichtet und es ist sehr windig in Richtung ebendieser Achse … Grundsätzlich ist er immer noch mein Liebling für Sujets wie Architektur oder bei Details im Kellerstudio, weil man den Ausschnitt durch die selbsthemmenden Antriebe in jeder Achse extrem feinfühlig einstellen kann. (Mit dem 410 kam übrigens ein Schnellwechselsystem, an das ich mich trotz seiner Größe – die Platte steht sogar unter der Hasselblad über – schnell gewöhnt habe, weil es bombenfest sitzt und man die meisten Kameras, manchmal mit etwas Gebastel, verdrehsicher darauf montieren kann.) Seine nominelle Belastbarkeit beträgt nur fünf Kilogramm (der 410 ist das Junior-Modell der Baureihe), aber wenn die Fachkamera mit schwerer Optik sieben kg wiegt, ist das erfahrungsgemäß auch noch kein Problem, nur sind die Bewegungen dann nicht mehr ganz so geschmeidig.

Die einzige nennenswerte Einschränkung des Getriebeneigers (neben seiner bauartbedingt sehr langsamen Bedienung) ist der Umstand, dass die Neigungswege längs und quer nur in je eine Richtung 90° betragen und in die andere 30°. Das bedeutet: Wenn die Wechselplatte mit zwei Schrauben fest unter der Kamera montiert ist, kann man zwar bspw. steil nach unten, aber nur wenig nach oben fotografieren. Deshalb kam in jüngerer Zeit noch ein Kugelkopf derselben Gewichtsklasse dazu, der Manfrotto 057 in der Bildmitte. Damit ist nun volle Beweglichkeit in allen Achsen gleichzeitig gegeben, bei ebenfalls uneingeschränkter Tauglichkeit für große Kameras und lange Zeiten: Die nominelle Max-Last ist 15 kg, und tatsächlich lässt sich die separate Friktionseinstellung (also der Widerstand der Kugel, den man je nach Zuladung justiert) so straff anziehen, dass sich sogar eine schwere Großformatige butterweich in Position bringen lässt und dann trotzdem schon vor dem eigentlichen Festziehen ihre Lage hält, auch schräg. – Sehr angenehm ist auch, dass die Sperre nicht, wie bei den meisten Kugelköpfen, mit einem runden Drehknopf, sondern mit einem Hebel bedient wird, so dass man keinerlei Handkraft braucht, sondern den Aufbau bequem mit zwei Fingern arretiert. (Praxistipp: Ich habe das Modell mit Direktanschluss für 410-Platten. Dessen Befestigung, die kleine schwarze Schraube direkt über der Kugel, freut sich einmalig über ein Schlückchen Zweikomponentenkleber.)

Nun habe ich also je einen schnellen, flexiblen und einen langsamen, präzisen Kopf für die großen Kameras. Nachteil beider: ein Eigengewicht von je rund 1500g. Mag man nicht immer mit sich rumschleppen, daher noch die Variante rechts: ein Nivellierneiger Novoflex MagicBalance. So was ist eigentlich nur dafür gedacht, einen richtigen Stativkopf für Panoramafotografie exakt horizontal auszurichten, aber in der Landschaftsfotografie mit verstellbaren Rückteilen (oder quadratischen Aufnahmeformaten) reichen rundum 15° Neigung oft schon aus, und ein paar Grad kann man meist noch über die Beinanstellwinkel und -auszüge schinden. (Bei Kleinbild ginge allerdings kein Hochformat, was blöd wäre.) Auf diese Nivellierkugel habe ich noch eine Adapterplatte für den besagten 410er Kameraanschluss geschraubt, auch damit wiegt das Ganze ein Kilo weniger als einer der beiden Großen – schön beim Wandern. Zwar hat dieser Neiger keine separate Friktionseinstellung, aber durch die flache Bauweise liegt kaum Hebelwirkung an, und ich komme damit auch mit der Großformatkamera klar.

Ergänzend noch der Hinweis: Unter der Kamera, mit der ich die Aufnahme oben gemacht habe, saß ein Novoflex Magic Ball, das ist ein umgekehrt aufgebauter Kugelkopf mit sehr schneller Bedienung und besonders viel Bewegungsfreiheit. Den hab ich für Kleinbild besonders gern, weshalb ich sein größeres Geschwistermodell auch erst für Großformat in Erwägung gezogen hatte. Beim mehrtägigen Testen stellte sich aber heraus, dass nominelle Tragfähigkeit nicht alles ist: Selbst für die nicht mal 2000g schwere Holz-Lochkamera brauchte ich am Drehknopf unangenehm viel Handkraft zum Festziehen, und beim Lösen verstellte sich dann immer auch die Friktion mit, weil die (nur auf den ersten Blick praktisch) auf derselben Achse geregelt wird wie die Feststellung. – Erst danach kam der riesige 057, mit dem ich jetzt uneingeschränkt zufrieden bin.

Stativ-Notizen, Teil 2: Ein Kopf – und noch einer, und …

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