Besser als ein Objektiv-Adapter

Wenn sehr kleine Objekte zu fotografieren sind, verwende ich dazu gern ein Vergrößerungs­objektiv am Balgen­gerät. Nun hat mein Balgen einen Nikon-Anschluss, während Dunkelkammer-Optiken traditionell ein M39-Gewinde haben. Das könnte man zwar mit einem Adapter über­brücken, aber es geht noch besser:

Und zwar mit Fotoknete, die schon seit Jahren zu meinen wichtigsten Foto­utensilien gehört, siehe etwa diesen Eintrag in einem früheren Blog. Was daran besser ist als an einem Adapter? Ganz einfach – man ist nicht drauf fest­gelegt, das Objektiv exakt parallel zur optischen Achse zu montieren, sondern kann es ein paar Grad ver­schwenken (so genannter Tilt):

Damit lässt sich die Lage der Schärfe­ebene hervor­ragend so modifizieren, dass ein größerer Bereich des Motivs in die Schärfe kommt, was bei extremen Makros mit winziger Schärfen­tiefe sehr wichtig sein kann. Siehe diese beiden Beispiel­fotos – die Perspektive ist nicht exakt identisch, aber der Effekt ist einiger­maßen repräsentativ:

Dieses chinesische Schrift­zeichen als Monotype-Letter ist etwa 3mm groß, ich habe beide Bilder bei Blende 8 in leicht schräger Aufsicht fotografiert. Beim ersten saß das Objektiv „ordnungs­gemäß“ auf dem Balgen, beim zweiten war die Objektiv­ebene ein wenig in Richtung der Motivebene verschwenkt.

Im Idealfall treffen sich gedachte Bild-, Objektiv- und Motivebene in einem Punkt, siehe Wikipedia. In der Praxis wird man das, zumal bei so winzigen Motiven, nicht exakt steuern können, aber da ich hier mit einer Digital­kamera fotografiert habe, konnte ich den Effekt direkt am Monitor überprüfen.

(Gestalterisch finde ich die geringe Schärfen­tiefe übrigens attrak­tiver; aber hier ging es um dokumen­tarische Zwecke, dahinter hat die Schönheit zurückzustehen.)

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